Designcenter Muenchen | Projektzentrum fuer Design an der Fachhochschule Muenchen
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Feuilleton / Interviews / Dr. Hans Jürgen Escherle

Dr. Hans Jürgen Escherle | Designmanagement und Marketing
Fragen von Margit Drescher und Björn Schmidt
{ schmidt@<spamschutz>designcenter-muenchen.de }

Dr. Hans Jürgen Escherle, Jahrgang 1955, studierte Betriebswirtschaft an der LMU München und promovierte zum Doktor der Staatswissenschaften. Ab 1985 war er tätig als Design-Manager bei Siemens, Leiter für Corporate Design und Identity bei BMW, Senior Berater bei Zintzmeyer & Lux, Leiter für Marketing bei bulthaup. Seit 1997 ist er selbstständiger Berater für Marketing, Design und Kommunikation.

SCHRIFTLICHES INTERVIEW
geführt im Februar 2005

Wie definieren Sie Kommunikations-Design?
Die konsequente und umfassende Gestaltung der Qualitätsdimensionen von jedweder Kommunikation: technisch, ökonomisch, ästhetisch, ökologisch und ethisch. Vor allem ehrlich und nüchtern, ohne zeitgeistigen Spielkram.

Welche Bedeutung hat für Sie Design?
Die ulmerische.

Warum wurden Sie Designer?
Ich bin Betriebswirt.

Wie würden Sie Ihren Beruf selbst bezeichnen?
Berater.

Sind Sie neben Ihrer Lehrtätigkeit noch künstlerisch aktiv?
Als Konsument und Bewunderer.

Welche Ziele haben Sie im Bezug auf Design und Gestaltung?
Zukunftsorientierung, Ehrlichkeit, Nüchternheit. Das schließt Freude und Sinnlichkeit nicht aus. Aber: Verzicht auf Unsinn.

Haben Sie Texte zum Thema Gestaltung verfasst?
Ja, aber nicht unter meinem Namen.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Ulm, Bayreuth. Das Gesamtkunstwerk.

Gibt es eine konkrete Erfahrung, die sie geprägt hat?
Mein beruflicher Werdegang und die guten Leute, mit denen ich zusammenarbeiten durfte.

Was ist Ihre Motivation als Dozent?
Wissen und Erfahrung weitergeben, Marketing- und Designverständnis praktisch und theoretisch herstellen, Augen öffnen, Blick schärfen.

Entspricht Ihr Beruf als Dozent Ihren Vorstellungen?
Ich bin Dozent lediglich als Lehrbeauftragter.

Wie wird sich in Ihren Augen unser Beruf verändern?
In der Praxis wird es sicher eine Verschmelzung der noch klassisch getrennten Disziplinen geben - gottlob.

Seit wann unterrichten Sie?
Seit WS 2002/03

Was waren Ihre Beweggründe, an die Fachhochschule München zu gehen?
Weil ich gefragt wurde, ob ich wohl bereit wäre, ...

Was glauben Sie, befähigt Sie im besonderen Maße Studenten zu unterrichten?
Wissen, Praxis. Ich habe bereits an der Uni Kurse, Übungen, Seminarbetreuung usw. gemacht. Und: Humor - der Bierernst muss raus.

Unterrichten Sie gerne?
Ja.

Welche Vorraussetzungen sollten Design-Studenten für das Studium mitbringen?
Talent muss man mitbringen. Ein Diplom macht noch keine(n) Designer(in)! Sodann: möglichst gute Allgemeinbildung. Sonst bekommt man keinen wachen Blick. Ferner: keine Vorurteile und Vormeinungsbildung, keine Orientierung an tatsächlichen und vermeintlichen Designgöttern. Selbst denken, neu denken, radikal und verantwortlich denken! Nicht verspielt oder chic oder zeitgeistig!

Was sind die häufigsten Fehleinschätzungen der Studienanfänger?
Die größten Irrtümer kenne ich nicht. Nach meinem Eindruck sind die Studenten/innen überwiegend recht wach und können denken. Vielleicht gibt es den Irrtum, dass man alles über Design an der FH lernen kann. Das geht aber nur durch Obiges bzw. viel Autodidaktik, Studieren großer Würfe und Irrtümer usw.

Haben Sie irgendwelche Empfehlungen an die Studenten (vor, während und nach dem Studium)?
Aktiv sein, kritisch sein, konstruktiv sein. Wie ich das jetzt auch mitbekomme: selber Projekte und Umfragen machen. Sich unbedingt mit der Welt der Wirtschaft vertraut machen, Kontakte zu Unternehmen knüpfen, schon mal ins Ausland gehen, Sprachen lernen! Design ist nicht Kunst, sondern eine Tätigkeit in der Wirtschaft. Die schätzt Aktivität und Können.

Bilden Sie sich weiter?
Täglich.

Wie würden Sie Ihr Unterrichtskonzept beschreiben?
Kritische Hinführung, Paradoxie, Humor, Strukturvermittlung, nicht unbedingt komplette Stoffe (dazu reicht die Zeit gar nicht). Strukturen kennen, die man selbst weiter auffüllen kann. Neugier wecken (hoffentlich).

Wo liegen Ihre inhaltlichen Schwerpunkte, die sie vermitteln wollen?
Siehe Frage „Wie würden Sie Ihr Unterrichtskonzept beschreiben?“.

Wo wollen Sie Ihre Studenten hinbringen?
Siehe Frage „Wie würden Sie Ihr Unterrichtskonzept beschreiben?“.

Wie erkennen Sie Talente?
Wie fördern Sie diese?
Bei mir nicht relevant, da nicht Gestaltungsfach.

Was sagen Sie zur Bildungsmisere in Deutschland?
Ob es die so sehr gibt, sei noch dahingestellt. Im SPIEGEL und in der FAZ steht ja alles drin.
Fazit: weniger Bürokratie, mehr selbst lernen, mehr Mut, mehr Aktion!

Was unterscheidet unsere Fachhochschule von anderen Fachhochschulen, Universitäten und Akademien?
Das kann man so nicht beantworten. Die Erkenntnisse der Evaluierung sind umzusetzen. Eine FH ist auch keine Universität oder Akademie.

Was ist Ihre Meinung zu der aktuellen Designkultur in München?
Die Münchner Designkultur ist gut, aber sie muss noch besser werden. Ich setze da auf die jungen Leute.

Informationen zu Dr. Hans Jürgen Escherle

Kontakt
089/13011239
escherle.brand.id@t-online.de
www.brand-ident.de *

Qualifikationen
gelernter Industriekaufmann (IHK)
Fachabitur
Studium der BWL (Absatzwirtschaft und Empirische Forschung) in München an der LMU
Diplom-Kaufmann
Promotion zum Dr. oec.publ.

Berufslaufbahn
1982-1985 Assistent am Institut für Absatzwirtschaft, LMU München
1985-1988 Design Management bei der Siemens AG, München
1988-1992 Leiter Corporate Design und Identity BMW AG, München
1992-1995 Senior Berater bei Zintzmeyer & Lux AG, Zürich
1995-1997 Leiter Marketing bei bulthaup, Aich
seit 1997 selbständiger Berater für Marketing, Marke, Design und Kommunikation

Persönliche Interessen
Kunst, Musik, Design, Literatur, Oper, Theater, Architektur, Bayern kulturell und kulinarisch.

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