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Feuilleton / Interviews / Matthias Rother

Matthias Rother | Aktzeichnen, Design- und Kommunikationstheorie
Fragen von Margit Drescher und Björn Schmidt
{ schmidt@<spamschutz>designcenter-muenchen.de }

Matthias Rother, geboren 1971, studierte Kommunikations-Design an der Fachhochschule Nürnberg und später in einem Zweitstudium Kunst an der Akademie der Bildenden Künste München. Von 1997 bis 2001 arbeitete er als selbständiger Designer und Mitarbeiter an Projekten im Bereich Multimedia/Screendesign für Auftraggeber wie Volkswagen, Audi und Siemens.

SCHRIFTLICHES INTERVIEW
geführt im Februar 2005

Wie definieren Sie Kommunikations-Design?
Das Fach beinhaltet für mich die Planung, Strukturierung und Gestaltung von Kommunikationsprozessen auf der Grundlage von kulturellen, soziologischen u.a. wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Welche Bedeutung hat für Sie Design?
Prozesse verständlich und somit vermittelbar, handhabbar und begreifbar machen.

Warum wurden Sie Designer?
Aufgrund eines stetig wachsenden Interesses an Gestaltungsvorgängen, Kommunikationsprozessen und Handlungsabläufen.

Warum unterrichten Sie jetzt?
Aus dem Bedürfnis heraus Gelerntes und neu Erkanntes an andere weiterzugeben (Erikson nennt das auch Generativität), sowie aus dem Wissen heraus, dass man als Lehrender selbst immer auch Lernender bleibt.

Wie würden Sie Ihren Beruf selbst bezeichnen?
Kunstpädagogischer Kommunikationsdesigner?

Sind Sie neben Ihrer Lehrtätigkeit noch künstlerisch aktiv?
Mein Kunststudium an der Akademie der Bildenden Künste in München (bis 2004) schloss eine intensive bildnerische Beschäftigung ein, die ich auch fortführe.

Welche Ziele haben Sie im Bezug auf Design und Gestaltung?
Zu einer Klarheit der Form und der richtigen Relation zwischen dem Einsatz gestalterischer Mittel und angestrebter Inhaltlichkeit zu finden.

Was ist Ihre persönliche Motivation für den Beruf als Designer?
Siehe Fragen „Wie definieren Sie Kommunikations-Design?“, „Welche Bedeutung hat für Sie Design?“, „Warum wurden Sie Designer?“.

Und was ist Ihre Motivation als Dozent?
Die Tradierung kultureller und eigener Errungenschaften ist Grundlage jeder Kultur. Es ist also beides, Intersse am Fach und Verantwortung gegenüber anderen, was mich bewegt, das selbst Entdeckte und jenes, das mir entdeckt wurde, an andere weiterzugeben und diese auf ihrer eigenen Entdeckungsreise zu begleiten.

Haben Sie sich Ihren Beruf als Designer so vorgestellt wie er ist?
Als ich 1992 das Designstudium begann noch nicht. Vor allem auch deshalb nicht, weil sich zu Beginn der 1990er Jahre das Berufsbild des (Kommunikations-)Designers durch den Einsatz neuer Medien (siehe Frage 12) grundlegend gewandelt hat.

Entspricht Ihr Beruf als Dozent Ihren Vorstellungen?
Ja.

Wie wird sich in Ihren Augen unser Beruf verändern?
„The medium is the message“ (M. McLuhan), daher wird sich wohl gemeinsam mit der Weiterentwicklung der Kommunikationsmedien auch der Beruf weiter wandeln.

Seit wann unterrichten Sie?
Seit dem Sommersemester 1997.

Was waren Ihre Beweggründe, an die Fachhochschule München zu gehen?
Das Interesse an der Zusammenarbeit mit Studenten, die schon in Nürnberg zu sehr positiven Erfahrungen geführt hat, dann das Interesse am Fach Zeichnen und schließlich die Möglichkeit, eine für mich neue Hochschule kennen zu lernen.

Was glauben Sie, befähigt Sie im besonderen Maße Studenten zu unterrichten?
Darüber mögen andere befinden.

Arbeiten Sie gerne mit Studenten?
Ja!

Unterrichten Sie gerne?
Ja!

Welche Vorraussetzungen sollten Design-Studenten für das Studium mitbringen?
Freude an Gestaltungs-, Kommunikationsprozessen und ein großes Interesse, sich mit den kulturellen, geisteswissenschaftlichen, (wahrnehmungs-)psychologischen, u.a. Grundlagen des Faches auseinanderzusetzen.

Was sind die häufigsten Fehleinschätzungen der Studienanfänger?
Die Vorstellungen vom Fach Kommunikationsdesign sind häufig weit entfernt vom tatsächlichen Beruf und mitunter romantisch verklärt.

Haben Sie konkrete Empfehlungen an die Studenten (vor, während und nach dem Studium)?
Kopf, Geist und Hand in Bewegung halten.

Bilden Sie sich weiter, wo und wie?
Nach dem Studium Kommunikationsdesign habe ich von 1999 bis 2004 Kunst und Kunstpädagogik an der Akademie der Bildenden Künste und LMU in München studiert, auch um für meine Lehrtätigkeit an der Hochschule, die ich seit 1997 ausübe, ein pädagogisches Fundament zu schaffen.
Ab 2005 werde ich den Vorbereitungsdienst für das Lehramt Kunstpädagogik an einem bayrischen Gymnasium antreten und mich damit bis 2007 erneut weiterbilden.

Wie würden Sie Ihr Unterrichtskonzept beschreiben?
Das Unsichtbare sichtbar machen und an der Fälschung teilhaben lassen, die das Wahre simuliert.

Wo liegen ihre inhaltlichen Schwerpunkte, die Sie vermitteln wollen?
Derzeit bei Aktzeichnen, Anatomie für Künstler und Perspektive.

Wo wollen Sie Ihre Studenten hinbringen?
Grundlagen vermitteln, individuelle Positionen stärken und die Studenten auf ihrem Weg zu einer eigenständigen Position begleiten.

Wie erkennen Sie Talente?
Für mich gibt es kein Rezept für das Erkennen von Talenten.

Wie fördern Sie diese?
Individuell.

Was sagen Sie zur Bildungsmisere in Deutschland?
Eine stärkere Förderung des Einzelnen in seinen Stärken und Schwächen wäre aus meiner Sicht einer Orientierung an der gaußschen Normalverteilung sicher vorzuziehen.

Was unterscheidet unsere Fachhochschule von anderen Fachhochschulen, Universitäten und Akademien?
Vor allem in der stärkeren Reglementierung des Unterrichts durch z.B. feste Stundenpläne unterscheiden sich die Fachhochschulen von Universitäten und Kunstakademien. Während die FHs stärker das curriculare Prinzip des Schulsystems weiterführen, ist an den Unis und Akademien die Selbstorganisation der Studenten in Hinblick auf das eigene Studium gefragt. Das kann zu mehr Selbständigkeit des Einzelnen führen, erfordert aber zugleich ein höheres Maß an Selbstdisziplin.


Informationen zu Matthias Rother

Qualifikationen
1990 Allgemeine Hochschulreife am Platen-Gymnasium Ansbach
1991–1992 Studium der Kunstgeschichte, klassischen Archäologie und italo-romanischen Philologie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg
1992–1997 Studium Kommunikations-Design an der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg (Illustration, Typografie, MultiMedia, Produktgrafik/-design)
1997 Diplom in der Fachrichtung Kommunikationsdesign, Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg
1999–2004 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München in der Klasse von Prof. Fridhelm Klein
2004 Staatsexamen in Kunstpädagogik, Akademie der Bildenden Künste München

Berufspraxis
1997-2001 Aufträge als selbständiger Designer, freiberufliche Mitarbeit bei ergon. Medien und Kommunikation in Nürnberg. Mitarbeit an Projekten im Bereich MultiMedia/Screendesign für Auftraggeber wie Volkswagen, Dräger, Audi, Siemens etc.
Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Tanz-Ensemble "Palindrome" bei mehreren multimedialen Tanz-Performances.
1997–1998 Lehrauftrag an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg (Werkzeuge der Medienkunst)
1997-1999 Lehrauftrag an der Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg, Fachbereich Gestaltung (Multimedia)
seit 2002 Lehrauftrag an der Fachhochschule München, Fachbereich Gestaltung (Zeichnen, Akt, Gestaltungsgrundlagen, Kommunikationstheorie)

Ausstellungen
2000-2004 diverse Ausstellungen

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