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Feuilleton / Interviews / Prof. Peter Schuck

Prof. Peter Schuck | Design- und Kommunikationstheorie
Fragen von Margit Drescher und Björn Schmidt
{ schmidt@<spamschutz>designcenter-muenchen.de }

Prof. Peter Schuck, Jahrgang 1943, studierte Architektur an der TU Stuttgart. Seit 1971 arbeitet er als Architekt, ab seinem Lehrberuf nur noch anteilig. Sein besonderes Interesse für die Verbindung von Architektur und Kommunikations-Design spiegelt sich in seiner Arbeit den "Light Pipes" am Potsdammer Platz in Berlin.

SCHRIFTLICHES INTERVIEW
geführt im Februar 2005

Wie definieren Sie Kommunikations-Design?
Da die Kommunikation die Grundlage der Entwicklung der Menschheit ist, ist auch jedes noch so kleine gestaltete Objekt/Element eine Auseinandersetzung im weiten Feld des Kommunikationsdesigns.
Ansonsten: die Gestaltung der Kommunikation, 2D und 3D, mit stehenden und bewegten Bildern/Szenen, und Worten, Bedeutungen.

Welche Bedeutung hat für Sie Design?
Die zentrale Bedeutung meines Lebens.

Warum wurden Sie Designer, bzw. Architekt?
Architekt, weil ich etwas bauen wollte! Designer, weil ich gefragt worden bin.

Warum unterrichten Sie jetzt?
Weil ich etwas weitergeben möchte.

Wie würden Sie Ihren Beruf selbst bezeichnen?
Als den schönsten der Welt.

Sind Sie neben Ihrer Lehrtätigkeit noch künstlerisch aktiv?
Wenn meine architektonischen Entwürfe künstlerisch zu nennen sind, ja.

Welche Ziele haben Sie im Bezug auf Design und Gestaltung?
Ich hatte das ziel den Fachbereich unkonventionell in kurzer zeit mit viel Engagement und Beteiligung ausgewählter unternehmen und einbinden designinteressierter Politiker in die freie Produktionshalle im Deckelgelände zu transplantieren. Das wäre mit einem Jahr Laufzeit realisierbar gewesen, sodass wir im SS05 schon im neuen gemeinsamen Haus gearbeitet hätten! Mit dem Effekt, das sich die Studiengangsgrenzen zwangsläufig auflösen würden, jeder jeden kennen lernt, alle Lehrangebote für alle Studenten transparent sind, eine gesunde Konkurrenz unter Lehrern und Studenten entstanden wäre, und eine neue Studien und Prüfungsordnung durch das „gezwungene“ Zusammensein in einem experimentell selbst zu gestaltenden Großraum interdisziplinär und demokratisch in kürzester Zeit entwickelt worden wäre.

Haben Sie Texte zum Thema Gestaltung verfasst, wo sind sie erschienen?
Nicht verlegt (Stichwortmanuskripte für Vorträge).

Haben Sie Vorbilder, wovon lassen Sie sich inspirieren?
Von Qualität.

Gibt es eine konkrete Erfahrung, die sie geprägt hat?
Während meines Grundstudiums hat mir ein Professor meine Fähigkeit zu entwerfen abgesprochen. Ich habe daraufhin meine Berufsplanung komplett auf Theorie umgestellt, bin Spezialist für Verfahren, Methoden und Systeme geworden. Es hat dann 20 Jahre gedauert bis ich begriffen habe, dass ich entwerfen kann und, wahrscheinlich über den Theorieumweg, deutlich besser, als ohne diesen Umweg. Das heißt für mich, Motivation zum Erkennen der eigenen Fähigkeiten und zum Erlernen von auch scheinbar „uninteressanten“ Randbereichen ist der Schlüssel (den ich gerne weitergebe).

Was ist Ihre persönliche Motivation für den Beruf als Designer?
Die Faszination, sich im kopf (mit Einbeziehung von Bauch und Herz) etwas auszudenken, es zu visualisieren und dann zu realisieren.

Was ist Ihre Motivation als Dozent?
Mein Wissen und meine Erfahrung weiterzugeben, und gleichzeitig in der Auseinandersetzung mit den Jungen auf Qualität zu testen.

Haben Sie sich Ihren Beruf als Designer so vorgestellt wie er ist?
Ja.

Entspricht Ihr Beruf als Dozent Ihren Vorstellungen?
Der Beruf: Ja. Der organisatorische und bürokratische Rahmen: Nein.

Wie wird sich in Ihren Augen unser Beruf verändern?
Der Generalist wird wieder mehr gefragt sein und der Sonderspezialist. Die Aufgabenfelder werden grenzenlos sein, das heißt jede Unternehmung wird in irgendeiner Form Kommunikationsdesign aktivieren.

Seit wann unterrichten Sie?
Seit WS 1989 (als Lehrbeauftragter), seit 1992 als Professor.

Was waren Ihre Beweggründe, an die Fachhochschule München zu gehen?
Ich bin 1989 angesprochen worden, einen Lehrauftrag für Gestaltungsgrundlagen und einen für Display anzunehmen. Nach einigen Semestern ergab sich die Chance mich um die Nachfolge eines ausscheidenden Professors zu bewerben.

Was glauben Sie, befähigt Sie im besonderen Maße Studenten zu unterrichten?
Meine Freude mit Studenten zusammenzuarbeiten.

Arbeiten Sie gerne mit Studenten?
Mit Begeisterung.

Unterrichten Sie gerne?
Meistens ...

Welche Vorraussetzungen sollten Design-Studenten für das Studium mitbringen?
Neugier, Feuer und die Bereitschaft ohne Ansehen des Lehrers oder des „vermeintlichen“ Inhaltes wie ein Staubsauger alles, was angeboten wird, auch zu tanken. Selbst dann, wenn ich noch nicht weiß, ob ich es jemals nutzbringend einsetzen kann.

Was sind die häufigsten Fehleinschätzungen der Studienanfänger?
Sich für begabt zu halten. Schon zu wissen, wo es lang geht.

Haben Sie irgendwelche Empfehlungen an die Studenten (vor, während und nach dem Studium)?
Die eigene Neugier kultivieren, keine Angst vor dem Fleißigsein, keine Angst vor einer „blutigen“ Nase, keine Angst vor dem eigenen Weg, selber leben und nicht leben lassen.

Bilden Sie sich weiter, wo und wie?
Bei Symposien, Vorträgen, Reisen und natürlich lesen, lesen, lesen.

Wie würden Sie Ihr Unterrichtskonzept beschreiben?
Learning by doing. Motivieren es selbst zu tun, es selbst zu denken, es selbst auszuprobieren. In seminaristischer Organisation.

Wo liegen Ihre inhaltlichen Schwerpunkte, die sie vermitteln wollen?
Eben darin, mit zunehmendem Alter auch mal väterlicher Freund/Berater sein.

Was wollen Sie Studenten beibringen?
Selbstverantwortlich zu gestalten und vollumfänglich für das, was ich tue, die Verantwortung übernehmen. Dazu ist es notwendig bei jedem Gestaltungsprozess in die tiefe zu gehen und nicht nur an der Oberfläche zu bleiben (Schnellschüsse zu absolvieren).

Wo wollen Sie Ihre Studenten hinbringen?
In eine positiv kritische aktive verantwortliche Gestaltungsarbeit.

Wie erkennen Sie Talente?
Nur, wenn sie sich durch verblüffende Fragen, Sichtweisen oder Gestaltungsansätze offenbaren.

Wie fördern Sie diese?
Durch das Angebot auf sie und ihre besonderen Anliegen einzugehen.

Was sagen Sie zur Bildungsmisere in Deutschland?
Es ist deprimierend. Alle wollen Rente, aber keiner will Kinder. Die machen Lärm, sind lästig und verdienen kein Geld, sondern kosten nur. Dabei haben wir nur diese Ressourcen und keine anderen „Rohstoffe“.

Was unterscheidet unsere Fachhochschule von anderen Fachhochschulen, Universitäten und Akademien?
Siehe Frage „Welche Ziele haben Sie im Bezug auf Design und Gestaltung?“.

Was ist Ihre Meinung zu der aktuellen Designkultur in München?
Haifischbecken. Angst vor Konkurrenz, Angst vor Internationalität und Interdisziplinarität, Angst vor Transparenz, Angst vor Solidarität. Nur nicht auffallen, dann passiert auch nichts. Und wenn auffallen, dann so politisch abgesichert, dass auch dann nichts passieren kann. Experimentieren, Fehler machen, ausprobieren, Design lebendig: Fehlanzeige.


Informationen zu Prof. Peter Schuck

Kontakt
pps@ppschuck.de

Qualifikationen
Diplom Fachrichtung Architektur, TU Stuttgart

Persönliche Interessen:
Design, Architektur, Kunst, Musik, Literatur, Sport und Gesellschaft.

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