Designcenter Muenchen | Projektzentrum fuer Design an der Fachhochschule Muenchen
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Feuilleton / Interviews / Sabina Sieghart

Sabina Sieghart | Kommunikationsdesign, Typographie
Fragen von Margit Drescher und Björn Schmidt
{ schmidt@<spamschutz>designcenter-muenchen.de }

Sabina Sieghart, geboren 1970, studierte Kommunikationsdesign und Fotografie in Würzburg und Canberra (Australien). Danach arbeitete sie als Designerin in München und New York unter anderem bei Rolf Müller, J. Abbott Miller und Eric Baker. Seit 2000 leitet sie ihr eigenes Büro für Kommunikations-Design in München. 2003 gründete sie zusammen mit Kollegen das "Designklinikum", das sich den Vorträgen und Analysen der Designvermittlung widmet. Sie unterrichtet Grafikdesign und Typografie an der FH München, ist Gastkritikerin an der FH Salzburg MultiMediaArts und hält 2005 Marketingvorträge am BfE München.

SCHRIFTLICHES INTERVIEW
geführt im Februar 2005

Wie definieren Sie Industrie-Design?
Gestaltung dreidimensionaler Objekte und Prozesse.

Welche Bedeutung hat für Sie Design?
Design ist für unseren Alltag von elementarer Bedeutung. Ob wir wollen oder nicht, wird unsere visuelle Wahrnehmung von Produkten, Dienstleistungen, kulturellen und politischen Botschaften durch Design bestimmt (Sei es die Zahnpasta-Tube, die U-Bahn, das Essen, der Film, unser Gegenüber ...).

Warum wurden Sie Designer?
Aus Lust am Beobachten und Gestalten.

Warum unterrichten Sie jetzt?
Um meine Erfahrungen nicht nur für mich zu nutzen, sondern auch an die nächste Designergeneration weiterzugeben.

Wie würden Sie Ihren Beruf selbst bezeichnen?
Kommunikationsdesign.

Sind Sie neben Ihrer Lehrtätigkeit noch künstlerisch aktiv?
Ja, wenn neben Büro und FH noch Zeit ist, fotografiere ich.

Welche Ziele haben Sie im Bezug auf Design und Gestaltung?
Die visuelle Umweltverschmutzung in den Griff zu bekommen
- durch Designvermittlung.
- durch gute Arbeiten (durchdacht, konzeptstark, qualitativ gut, witzig).

Wie möchten Sie die Entwicklung von Design und Gestaltung beeinflussen?
Als Designer möchte ich nicht nur schöne Oberflächen gestalten, sondern den Projekten inhaltlich auf den Grund gehen und daraus die Gestaltung entwickeln. Gutes Design beeinflußt in großem Maße die Kommunikation und hat somit eine gesellschaftliche Relevanz und Verantwortung. Zudem möchte ich die Wertschätzung guter Gestaltung erreichen.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Mich inspirieren Alltagsbeobachtungen, Kunst, Erfindungen, Wissen, detallierte Recherche zu den jeweiligen Projekten, mein Mann, mein Sohn, meine Freunde und Familie.

Was ist Ihre persönliche Motivation für den Beruf als Designer?
Mich motivieren:
-spannende Projekte,
-der Einblick in verschiedenste Themen, Firmen und Strukturen
-die Herausforderung Probleme zu lösen und Neues zu erfinden
-die Zusammenarbeit und Diskurs mit verschiedensten Kollegen und Sparten
-die Möglichkeit zu Gestalten.

Und was ist Ihre Motivation als Dozent?
Am meisten motiviert mich die Arbeit mit den Studenten, ihre Fragen und Entwicklung. Dann finde ich es spannend mein täglich im Beruf angewandtes Wissen für Vorträge/Vorlesungen aufzubereiten. Zusätzlich ist der Diskurs auf fachlicher Ebene mit Kollegen tiefer als im beruflichem Alltag. Vielleicht auch weil die Studenten kritischer hinterfragen.

Haben Sie sich Ihren Beruf als Designer/Dozent so vorgestellt wie er ist?
Eine richtige Vorstellung hatte ich von beiden Berufen nicht. Ich wollte immer etwas Spannendes machen mit täglichen Veränderungen und Herausforderungen. Sowohl als Designer als auch als Dozent hat sich dies bewahrheitet und übertrifft insofern meine Vorstellungen.

Wie wird sich in Ihren Augen unser Beruf verändern?
Unser Beruf wird sich sehr und immer wieder und anders als wir jetzt denken verändern. Deshalb gilt für Studenten, Designer und Lehrende: Beobachten, scharf analysieren, unerwartete Ideen entwicklen und qualitative gute Umsetzung lernen, um die aktuellen Entwicklungen zu sehen und damit zu arbeiten.

Seit wann unterrichten Sie?
2003.

Was waren Ihre Beweggründe, an die Fachhochschule München zu gehen?
Die Anfrage vom Fachbereich Industriedesign war der Grund für die Aufnahme der Lehrtätigkeit in München.

Was glauben Sie, befähigt Sie im besonderen Maße Studenten zu unterrichten?
Hirn & Herz & Auge
(Meine Erfahrung, mein fachliches Wissen und die Fähigkeit Arbeiten zu Analysieren, mein Interesse an neuen fachlichen Entwicklungen, den Studenten und der Wissensvermittlung, meine selbstbewußte und offene Persönlichkeit, Diskussionsfreude und respektvoller Umgang mit Studenten, Kollegen und Mitarbeitern.)

Arbeiten Sie gerne mit Studenten?
Ja, sehr.

Unterrichten Sie gerne?
Ja.

Welche Vorraussetzungen sollten Design-Studenten für das Studium mitbringen?
Studiumsvoraussetzungen sind für mich ein gutes Auge, ein Hirn das analysieren und um Ecken denken kann und kreative/handwerkliche Begabung.

Was sind die häufigsten Fehleinschätzungen der Studienanfänger?
alles (oder fast alles) schon zu wissen, das Detail nicht zu sehen.

Haben Sie konkrete Empfehlungen an die Studenten (vor, während und nach dem Studium)?
Als Student sollte man aktiv sein, engagiert arbeiten, zeitweise ins Ausland gehen, selbst herausfinden welcher Teilbereich des Designs einen interessiert, Praktika machen, das ganze Leben als Studium sehen und Feiern nicht vergessen.


Bilden Sie sich weiter, wo und wie?
- Konfernzen: Fuse, Typo, Profile Intermedia
- Kunst: Kontakt mit zeitgenössischen Künstlern, Ausstellungs- und Symposiumsbesuche
- eigene Forschung: designklinikum
- Trendbeobachtungen: Zeitung, Politik, Wissenschaft, Kunst

Wie würden Sie Ihr Unterrichtskonzept beschreiben?
Wissen kompakt und Anleitung zum eigenständigen Arbeiten mit interessanten Aufgaben und konstruktiver Kritik.

Wo liegen Ihre inhaltlichen Schwerpunkte, die sie vermitteln wollen?
Meine fachlichen Schwerpunkte sind Typografie, CI, Grafik Design und konzeptionelles Denken. Neben der guten fachlichen Ausbildung möchte ich meinen Studenten ein Bewußtsein für die Möglichkeiten und Macht der Kommunikation und den selbstbewußten Umgang mit ihrer Leistung mitgeben.

Wo wollen Sie Ihre Studenten hinbringen?
Den Schritt vom Konsumenten zum Produzenten zu machen, d.h. selbstständig Informationen sammeln, analysieren und in neue Ideen umsetzen.

Wie erkennen Sie Talente?
Talente erkenne ich an den Arbeiten und den Fragen der Studenten.

Wie fördern Sie diese?
Ich fördere sie durch konstruktive Kritik, Denkanstöße, Aufgaben und durch Vermittlung von Kontakten im Berufsleben.

Was sagen Sie zur Bildungsmisere in Deutschland?
Kommt drauf an was man daraus macht. Ich war neben Deutschland in Frankreich in der Schule, habe auch in Australien studiert und in Amerika gearbeitet und so verschiedenste Bildungssysteme kennen gelernt. Für die Designer ist meine Beobachtung, dass die guten Designer in jedem System etwas wurden und bei manchen das beste Bildungssystem nichts half. Gute Lehre und Studienbedingungen sind dabei die entscheidenden Faktoren. Deshalb sollte man optimale Bedingungen anstreben und bei der Ausbildung die Ressourcen optimal nutzen.

Was unterscheidet unsere Fachhochschule von anderen Fachhochschulen, Universitäten und Akademien?
Größe, Zahl der Fachbereiche. Im FB Gestaltung: zu geringer/kein Frauenanteil unter den Professoren. Der FB steht in einer interessanten Umbruchphase: die bevorstehende Integration von drei Studienrichtungen und die damit verbundene Neuausrichtung der Studieninhalte und räumliche Veränderung.

Was ist Ihre Meinung zu der aktuellen Designkultur in München?
Hoffnungsvolle Ansätze.


Informationen zu Sabina Sieghart

Kontakt
Telefon 089/59992650
Fax 089/59992649
sieghart@gestaltungsinstitut.de
www.designklinikum.de *
www.gestaltungsinstitut.de *

Qualifikationen
1990-1995 Kommunikationsdesign und Fotografie in Würzburg und Canberra, Australien

Berufspraxis
1996-1998 Angestellter Designer bei Rolf Müller, München
1998-1999 Design/Writing/Research und Eric Baker, New York
1999-2000 Zeichen & Wunder, München
seit 2000 eigenes Büro für Kommunikationsdesign, München

Künstlerische Reputation
2003 Gründung des “Designklinikum“ mit Kollegen, das sich mit Vorträgen und Analysen der Designvermittlung widmet.

Persönliche Interessen:
Kunst, Design, Berge, Sport, Freunde und Familie

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