Designcenter Muenchen | Projektzentrum fuer Design an der Fachhochschule Muenchen
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Feuilleton / Interviews / Prof. Dr. Dr. Rainer E. Zimmermann

Prof. Dr. Dr. Rainer E. Zimmermann | Ästhetik
Fragen von Margit Drescher und Björn Schmidt
{ schmidt@<spamschutz>designcenter-muenchen.de }

Prof. Dr. Dr. Rainer E. Zimmermann, Jahrgang 1951, ist diplomierter Physiker, promovierte in Mathematik und habilitierte in Philosophie. Seit 1975 ist er in diesen Bereichen beruflich tätig und verfasste unzählige Publikationen. Neben dem Fachbereich Gestaltung, unterrichtet er auch im Fachbereich der allgemeinen Wahlpflichtfächer Kurse wie Physik, Logik, Hermeneutik, Semiotik, Mythologie, Ethik und Kosmologie.

SCHRIFTLICHES INTERVIEW
geführt im Februar 2005

Wie definieren Sie Kommunikations-Design?
Als angemessenes Entwerfen der Kommunikation.

Welche Bedeutung hat für Sie Design?
Angemessenes Entwerfen im Sinne der tradierten ethischen Kriterien: Naturgemäßes Vorgehen, dem aktuellen Wissensstand entsprechend.

Warum wurden Sie Philosoph?
Um meine wissenschaftlichen Einsichten zusammenzuführen und beschreiben zu können, was es alles gibt.

Warum unterrichten Sie jetzt?
Weil Lehre zur Forschung gehört und mit ihr untrennbar verbunden ist.

Wie würden Sie Ihren Beruf selbst bezeichnen?
Freund der Neugier.

Sind Sie neben Ihrer Lehrtätigkeit noch künstlerisch aktiv?
Ich schreibe epische Prosa.

Welche Ziele haben Sie im Bezug auf Design und Gestaltung?
Aus philosophischer Sicht den Zusammenhang mit den anderen Gebieten der menschlichen Aktivität zu erforschen und zu begründen.

Wie möchten Sie die Entwicklung von Design und Gestaltung beeinflussen?
Indem ich die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit der sprachlichen Expression lenke.

Haben Sie Vorbilder (im Bereich Design und außerhalb)?
Vorbilder sind alle ernsthaften Forscher und Lehrer.

Wovon lassen Sie sich inspirieren?
Von meinen momentanen Schwerpunktinteressen und von der belletristischen Literatur.

Gibt es eine konkrete Erfahrung, die sie geprägt hat?
Ein halbes Dutzend Fälle einer Lektüre, die große Wirkung entfaltet und viele Ideen angeregt hat. (Relevante Autoren in diesem Zusammenhang: Isaac Asimov, Tolkien, E. E. Smith, Frank Herbert, Tad Williams, aber auch Marcel Proust, Ippolito Nievo, Emile Zola, Gustave Flaubert, Charles Dickens, Wilkie Collins, Edward Bullwer-Lytton, Thomas Mann, Hermann Hesse, Arno Schmidt usw.)

Was ist Ihre persönliche Motivation für den Beruf als Philosoph?
Und was ist Ihre Motivation als Dozent?
Siehe Frage „Warum wurden Sie Philosoph?“.

Haben Sie sich Ihren Beruf als Philosoph so vorgestellt wie er ist?
Genau so.

Entspricht Ihr Beruf als Dozent Ihren Vorstellungen?
Ja, ich bin allerdings von der Universität aktivere Studierende gewöhnt, die vor allem mehr lesen.

Wie wird sich in Ihren Augen unser Beruf verändern?
Gar nicht, entgegen aller Vermutungen, welche durch ein zumeist uneffektives Reformbestreben gegenwärtig nahe gelegt zu werden scheinen.

Seit wann unterrichten Sie?
Seit 1977.

Was waren Ihre Beweggründe, an die Fachhochschule München zu gehen?
Es gab dort eine ausgeschriebene Stelle.

Was glauben Sie, befähigt Sie im besonderen Maße Studenten zu unterrichten?
Meine riesengroße Geduld.

Arbeiten Sie gerne mit Studenten?
Jawoll!

Unterrichten Sie gerne?
Sic!

Welche Vorraussetzungen sollten Design-Studenten für das Studium mitbringen?
Wie alle Studenten die ausgeprägte Bereitschaft, die eigene Neugier zu befriedigen, vor allem, indem man sehr viel liest und diskutiert.

Was sind die häufigsten Fehleinschätzungen der Studienanfänger?
Das alles in den Veranstaltungen so vollständig präsentiert wird, dass es für die Prüfung reicht und man selber nichts mehr dazu machen muss. Und dass man alles sofort verstehen kann, wenn es gerade erzählt wird. (So dass im umgekehrten Falle die Schuld in der Darstellung des Dozenten gesucht wird, nicht aber im eigenen Aktivitätsmangel.)

Haben Sie irgendwelche Empfehlungen an die Studenten (vor, während und nach dem Studium)?
Vorher: Nehmen Sie ein Fach, dass Ihnen Spaß macht. (Es macht dann Spaß, wenn Sie das Gefühl haben, bestimmte Dinge in seinem Rahmen unbedingt wissen und selbst machen zu wollen.)
Während: Arbeiten Sie. Das heißt, treffen Sie alle mit dem Fach verbundenen, relevanten Leute. Diskutieren Sie mit diesen und mit den Kommilitonen. Lesen Sie viel. Sehen Sie alle einschlägigen Fernsehberichte, durchsuchen Sie das Internet, hören Sie Radio, gehen Sie in Ausstellungen, Veranstaltungen aller Art, Konzerte, Theateraufführungen usw. usw. Hören Sie niemals auf!
Nachher: Fahren Sie auf diese Weise fort!

Bilden Sie sich weiter, wo und wie?
Durch Lektüre, Debatten unter Kollegen, Besuch von Tagungen und Kongressen, Besuche an ausländischen Universitäten (1999/2000 Freisemester in Cambridge, England; 2001 Forschungsaufenthalt in Bologna, 2003 Visiting Fellow in Bologna, Forschungsaufenthalt in Helsinki), Mitgliedschaften in internationalen Gesellschaften (z.B. Mitglied der Europäischen Akademie in Paris).

Wie würden Sie Ihr Unterrichtskonzept beschreiben?
Als eine narrative Darlegung meiner Gedankengänge.

Wo liegen Ihre inhaltlichen Schwerpunkte, die sie vermitteln wollen?
In allen philosophischen Disziplinen.

Wo wollen Sie Ihre Studenten hinbringen?
Dass sie meine Ausführungen zu den Punkten „Welche Vorraussetzungen sollten Design-Studenten für das Studium mitbringen? Was sind die häufigsten Fehleinschätzungen der Studienanfänger?“ und „Haben Sie irgendwelche Empfehlungen an die Studenten?“ hier verstehen können.

Wie erkennen Sie Talente?
Im ersten Gespräch (Sage mir, was du liest ... bzw. woran du gerade denkst ...).

Wie fördern Sie diese?
Indem ich versuche, Anregungen und Hinweise, auch Literaturempfehlungen zu den persönlichen Interessengebieten zu geben.

Was sagen Sie zur Bildungsmisere in Deutschland?
Diese existiert einerseits nur in den Köpfen der Bildungspolitiker, andererseits ist ihr konkreter Anteil darauf zurückzuführen, dass die Punkte „Welche Vorraussetzungen sollten Design-Studenten für das Studium mitbringen? Was sind die häufigsten Fehleinschätzungen der Studienanfänger?“ und „Haben Sie irgendwelche Empfehlungen an die Studenten?“ hier nicht zureichend beachtet werden.

Was unterscheidet unsere Fachhochschule von anderen Fachhochschulen, Universitäten und Akademien?
Ich kann nichts Wesentliches erkennen, soweit Deutschland gemeint ist. Im Vergleich zu den angelsächsischen Hochschulen mangelt es freilich an manchem. Das ist aber in der Hauptsache eine Geldfrage: Wenn sich die Grundhaltung der Bildungspolitiker nicht verändert, wenn insbesondere nicht die Finanzierung verstärkt wird, wird sich auch nichts zum Positiven wenden können.

Was ist Ihre Meinung zu der aktuellen Designkultur/Philosophie in München?
Die erstere kann ich nicht allzu gut beurteilen. Was die bildenden Künste angeht, so scheint mir die Situation in München nicht schlecht. Das kulturelle Umfeld ist sicherlich mehr als ausreichend. Was die letztere angeht, so ist es um die Philosophie in dieser Stadt nicht allzu gut bestellt.


Informationen zu Prof. Dr. Dr. Rainer E. Zimmermann

Kontakt
Telefon 089/1265-1376
rainer.zimmermann@fhm.edu
http://h2hobel.phl.univie.ac.at/asp/zimmermann.htm *

Qualifikationen
Englisches Mathematikdiplom (Imperial College, DAAD-Stipendiat),
Deutsches Physikdiplom,
Promotion in Mathematik,
Promotion in Philosophie (alle Berlin),
Habilitation in Philosophie (Kassel)

Publikationen
Liste der Publikationen auf meiner Webseite (ca. 300 Publikationen, davon 15 Bücher und monographische Texte).

Persönliche Interessen
Alles Mögliche, vor allem mögliche Weltmodelle

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